10 Jahre Sneakers Magazine

Ein Interview mit Holger von Krosigk

Happy Birthday Sneakers Magazine! Seit mittlerweile 10 Jahren und 40 Ausgaben schafft das Team um Holger von Krosigk exklusiven und qualitativ hochwertigen Content aus dem Sneakerbereich. Dabei wird seit jeher auf den ausgewogenen Mix aus Brandnews, Sneaker Stories, Collectors Features und Advertorials geachtet. Anlässlich des Jubiläums haben wir uns mit dem Chefredakteur und Gründer des Sneakers Magazines Holger von Krosigk zusammengesetzt und uns über die Anfänge des Magazins, Veränderungen in der Sneakerszene und in Print, sowie aktuelle Challenges als selbstständiger Publisher unterhalten. Am 12. April werden wir übrigens bei uns im Store ein Event zu Ehren von 10 Jahren Sneakers Magazine hosten und gleichzeitig den Release der neuesten adidas Nite Jogger Colorways feiern! Kommt vorbei!

10 Years of Sneakers Magazine x adidas Originals Nite Jogger @43einhalb FFM!

Hallo Holger, danke für deine Zeit! Erst einmal alles Gute zu 10 Jahren Sneakers Mag! Aber fangen wir vorne an. Du warst zunächst Chefredakteur vom Monster Skateboard Magazine, hast dann das Place Mag (auch Skate) gegründet – wie kamst du danach dazu, das Sneakers Magazine zu starten? 
Sehr gerne! Wie du schon sagst, liegen die Wurzeln bei mir im Skateboarding. Irgendwie spielten da Sneaker schon immer eine Rolle. Vielleicht weil es neben dem Board der wichtigste Teil des Equipments ist, aber auch kulturell. Am Ende liegen die Anfänge der ganzen Bewegung im Skaten – Supreme war ursprĂĽnglich ja ein reiner Skateshop, die ersten richtigen Sneaker Collabs ĂĽberhaupt kamen von Brands wie DC, Supreme, StĂĽssy oder eben Nike SB. StĂĽssy kommt letztendlich auch aus der Surf und Skatekultur … Das alles in Verbindung damit, dass ich aktiv immer weniger Skateboard gefahren bin, hat irgendwann dazu gefĂĽhrt, dass ich nach neuen Aufgaben gesucht habe. 

(Foto von Kane Holz)

Wie war die Anfangszeit? Wurden euch viele Türen schnell geöffnet, oder hat man eher wieder daran gedacht, was Anderes zu machen? 
Die Anfangszeit war ziemlich turbulent, weil alles neu war. Die Brands wussten noch nicht so richtig, wo sie uns einordnen sollten, weil die Schublade damals fehlte. Wir waren kein richtiges Modemagazin, aber auch kein typisches Lifestyle Magazin. Irgendwie eine Nische, aber auch mit viel Potenzial … Trotzdem haben uns Marken wie adidas von Anfang an die Stange gehalten. Ich denke, weil sie wussten, dass der Bereich immer wichtiger werden wĂĽrde. Und vielleicht auch, weil sie an uns geglaubt haben. 

Hättest du damals daran gedacht, dass es das MAG in 10 Jahren noch geben wird? 
Ich habe damals viel weniger als heute in solchen Dimensionen gedacht. Vielleicht war das der Grund, weshalb wir einfach losgelegt haben. Am Anfang waren wir ziemlich ĂĽberfordert und ich erinnere mich noch gut an die ersten Nachtschichten. Nach Hause kommen in der Morgensonne … Dass die Sneakerblase platzen wird, höre ich seit vielen Jahren, aber es ist ja weitaus mehr als eine Modeerscheinung. Sneaker sind ja nur ein Symptom fĂĽr eine größere gesellschaftliche Veränderung in unserer Generation. 

Würdest du es retrospektiv heute noch einmal starten? 
Ich wĂĽrde es wahrscheinlich nicht heute noch mal grĂĽnden, weil die Medienlandschaft sich total verändert hat und es viel schwieriger ist, einen neuen Titel aus dem Boden zu stampfen. Schon der Gedanke daran, einen neuen Social Media Account von  Null auf zu starten … Alpträume. Aber rĂĽckblickend war es eine super Entscheidung. 

Hast du eine Lieblings-Story aus 40 Ausgaben Sneakers Mag? Einen Lieblings-Interviewpartner? Ein Lieblings-Event, auf dem du warst? 
Ich bin schon stolz darauf, die meisten Leute aus dem Kosmos interviewt zu haben, die Rang und Namen haben. Mich interessieren dabei weniger die Celebrities, als Leute hinter den Kulissen, die am Produkt arbeiten. Designer wie Nic Galway, Tinker Hatfield oder Alexander Taylor. Mit Leuten Gespräche zu führen, die die Produkte gestalten, die wir in einigen Jahren tragen werden, ist sehr dankbar.

Viele eurer Leser werden noch keine 10 Jahre »im Game« sein. Was sind die großen Veränderungen der letzten 10 Jahre – bezogen auf Print, aber auch die Sneakerwelt? 
Wir sind ja an den Start gegangen, als gerade Smartphones und Social Media aufkamen, dadurch hat sich am Ende ungefähr alles verändert. Die Medienwelt ist eine völlig andere. Wir sprechen natĂĽrlich ĂĽber Print, weil das in unserem Namen steckt und unser Jubiläum markiert, aber wir leben schon seit langem ebenso sehr von unseren Social Media Kanälen. Alles ist schneller geworden – Trends, News, Releases … 

Sind die Veränderungen aus deiner Sicht eher positiv, oder negativ? 
Theoretisch leben wir in einem goldenen Zeitalter, weil es kaum jemals so eine breite Auswahl an guten Modellen gab. Die Marken haben gelernt, dass man die Klassiker nicht vernachlässigen darf und sorgen durch die Rotation letztendlich dafür, dass es nicht langweilig wird. Negativ? Social Media hat alles so schnell gemacht, dass Content kaum noch in die Tiefe gehen kann. Um relevant zu bleiben, muss man an der Oberfläche kratzen und mit Themen sehr oberflächliche Reaktionen hervorrufen – alles für ein schnelles Like. Brands haben früher viel Wert auf ihre History gelegt und man hat auch mal zurückgeschaut. Heute habe ich das Gefühl, dass alle in Panik verfallen, vielleicht den Konsumenten von morgen nicht mehr anzusprechen. Daher fühlt es sich gerade an, als ob sich viele verbiegen und ihre Glaubwürdigkeit opfern. 

Gibt’s für dich aktuell einen Lieblingsschuh? 
Adidas Terrex Free Hiker. Ich finde super,  wie Terrex es geschafft hat, aus vielen Running-Elementen einen echten Hiker zu machen, der sogar langlebig ist. 

Man liest immer wieder, »Print sei tot«; sieht das oft auch am Verlags- und Magazinsterben. Wie bekämpft ihr das? Wie wichtig ist online mittlerweile als Teil des Gesamtauftritts? 
Print ist nicht tot, aber als Medium, ĂĽber das man News konsumiert natĂĽrlich heute ĂĽberflĂĽssig. Was bleibt? Ă„sthetik, inhaltliche Tiefe, Haptik und ein besonderes Erlebnis … Dagegen ankämpfen kann man eigentlich nur, indem man sich auf der einen Seite weniger abhängig von Print alleine macht – durch Social Media und allgemein digitale MaĂźnahmen. Auf der anderen Seite kann man Print nur erhalten, indem man es weiterhin hochwertig und besonders gestaltet. Print auf das Notwendigste runterzudampfen, weil der Markt zurĂĽck geht, funktioniert nicht. 

Vielleicht der Klassiker, aber deshalb muss er sein: Du warst in den 90ern ein bekannter Skater – steigst du ab und zu noch auf’s Brett? 
Leider viel zu selten! Ich skate natürlich schon noch, aber leider lassen es mein Terminkalender und mein Rücken nicht zu, regelmäßig zu fahren. Aber nach 25 Jahren Skateboarding ist es auch okay, sich mal zurückzulehnen und andere ran zu lassen. 

Wenn es darum geht, eine Story bzw. ein Feature ins Heft zu packen, worauf kommt es dir da an? Was ist wichtig? 
Mir ist die Story wichtig. Ich suche nach irgendeinem interessanten Ansatz, nach etwas Zeitlosem. Ich gehe immer davon aus, dass alles, was wir machen, jedem Menschen vermittelbar sein muss, egal wie tief er in der Materie ist. 

Danke für deine Zeit und Antworten, Holger! Wir sehen uns am Freitag – 12. April ab 18:00 – bei 43einhalb FFM und stoßen an! In der Veranstaltung auf Facebook findet ihr alle Infos zum Event!

(Foto by Johannes Höhn)

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